Über Menschen

Über Menschen von Juli Zeh ist ein Dorfroman, der in Brandenburg spielt. Protagonistin ist Dora, eine erfolgreiche Mediengestalterin.

 

Autorin

 

Juli Zeh (1974 in Bonn geboren)

 

Jurastudium mit Promotion. Seit 2018 auch Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg. Mehr unter www.juli-zeh.de

 

  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag München / 412 Seiten
  • Roman, mit Erscheinen sofort auf Platz Eins der SPIEGEL Bestseller Liste
  • Steht zur Ausleihe bereit

 

Inhalt

 

Wieder ein Dorfroman, wieder in Brandenburg, dieses Mal im (fiktiven) Örtchen Bracken. In der Region Prignitz, dort wo die Autorin selbst lebt und bereits ihren Erfolgsroman Unterleuten angesiedelt hat. "In Bracken ist man unter Leuten", schreibt sie. "In Bracken kann man sich nicht mehr so leicht über die Menschen erheben."

 

Im Mittelpunkt steht Dora, eine erfolgreiche Mediengestalterin, die in der zunehmenden Enge der Pandemiefolgen ihres lockdown-überkorrekten Freundes überdrüssig wird und deswegen mit ihrer Hündin (genannt Jochen der Rochen) von Berlin in die brandenburgische Ödnis umzieht. In einem heruntergekommenen Gutsverwalterhaus mit 4000 Quadratmetern Grund fängt sie ein buchstäblich neues Leben an, zumal sie in der Folge der Pandemie ihren Job verliert. In Bracken ist zunächst alles so, wie es vielleicht das Klischee verlangt und wird bedient mit der nebenan von Dora wohnenden Glatze. „Angenehm“, sagt Gote. „ich bin hier der Dorf-Nazi." Aber dieses Klischee dient vorrangig dazu, es später differenzierter zu sehen. Der mit seinen Freunden das Horst-Wessel-Lied grölende Nazi, entpuppt sich als liebevoller Vater einer aufgeweckten Tochter und leidet, wie sich im Verlaufe herausstellt, an einem Hirntumor.

 

 

Ist diese Nähe zwischen der grün-linken Dora und dem kahlrasierten Gottfried zunächst verstörend, so schafft es die Autorin, dass am Ende tatsächlich Mitempfinden mit diesem zweifelhaften Charakter geweckt werden kann und dass die fragwürdige Freundschaft plausibel wirkt.

 

 

Bewertung

 

Über Menschen ist ein versöhnlicher Roman, der nichts Böses verschweigt, aber demonstriert, dass die Welt, weniger ideologisch betrachtet, ein bisschen menschlicher sein könnte (Jörg Magenau, Deutschlandradio).

 

Dieser Roman hat nicht das Verschachtelte, die Vielschichtigkeit und historische Dimension von Unterleuten. Trotzdem weiß Zeh erneut zu fesseln.

 

Das Buch ist kurzweilig, liest sich leicht, ist aber keine leichte Kost.

 

 

Wolfgang Hoppe