Ein verheissenes Land


„Ein verheißenes Land“ von Barack Obama

Im ersten Band seiner Memoiren mit dem Titel „Ein verheißenes Land“ schildert Barack Obama seine Jugend auf Hawaii, seine Studentenzeit und seinen Weg nach Chicago, wo er seine Familie gründet. Er weiß, wie man Menschen in den Bann zieht. Vor allem diesem Talent verdankt er seinen beispiellosen politischen Aufstieg: Innerhalb von nur fünf Jahren schaffte er es vom Abgeordneten im US-Bundesstaat Illinois in den US-Senat und von dort als 44. und erster Schwarzer Präsident ins Weiße Haus. Dieses Buch hat kein Ghostwriter geschrieben. So wie es nur er vermochte, die Menschen emotional anzusprechen und mitzureißen, so vermag nur er selber so authentisch und wortgewandt zu schreiben. Es ist ein Buch voller Empathie für seine Zeitgenossen: er ist Familienmensch und ein bei seinen Mitarbeiter/innen auf Ausgleich ausgerichteter Teamplayer.

 

Bei mir stellte sich Wehmut ein, denn nach vier Jahren Lug und Trug während der nachfolgenden Präsidentschaft belegt das Buch, ja, es gibt noch ein anderes Amerika, es gibt noch andere Werte. Er erklärt (zuweilen sehr detailliert) wie alles im politischen Alltag funktioniert: die Abläufe im Weißen Haus, die Art der Begegnungen bei Staatsbesuchen und wie die Zeit an Bord der Air Force One verbracht wurde. Breiten Raum nehmen ein die Anstrengungen beim Bewältigen der Weltfinanzkrise, bei der Gesetzgebung zum Affordable Care Act (Gesundheitsreform) und beim Überwinden (und Scheitern) des lähmenden Alltagsrassismus. Wir erleben, wie die Folgen der Krisen / Kriege in Afghanistan und im Nahen Osten sowie Nordafrika auf seinen Schultern lastet. Ich teile die Bewertung von Jürgen Trittin (am 17.11.2020 im Deutschlandradio) der sagt: „ . . . wenn man auf Obamas gesamte Präsidentschaft schaue, war er „ein großer, ein wichtiger Präsident für die USA“.

 

Zu seinen historischen Leistungen zähle, dass er die USA mit dem Rest der Welt ein Stück weit versöhnt habe. Und, das unterstreicht Trittin besonders: „Es war Obama, der mit China den Weg für das Pariser Abkommen zum Klimaschutz geebnet hat.“ Die Erinnerungen des ehemaligen US-Präsidenten seien „ein sehr amerikanisches Buch“ und das Gegenteil von manch anderer Biografie, urteilt Trittin: „Es ist eine sehr selbstkritische und keine selbstgerechte Biografie.“ Das Buch schließt mit dem Einsatz in Pakistan, bei dem Osama bin Laden am 02.05.2011 getötet wurde. Das Abwägen beschreibt Obama: „Die Standuhr an der Wand des Treaty Room tickte. . . . Ich sah, wie Kobe Bryant einen Sprungwurf in der Zone ausführte. . . . Und auch wenn ich keine Gewähr dafür übernehmen konnte, dass meine Entscheidung (für diese Operation) den gewünschten Erfolg haben würde, war ich bestens präpariert und überaus zuversichtlich, als ich sie traf." Der erfolgreiche Ausgang dieses Kommandounternehmens trug letztendlich dazu bei, dass Obama für eine zweite Amtszeit wiedergewählt wurde. D.h., wir auch mit erwartungsvoller Vorfreude dem zweiten Teil seiner Biografie entgegenschauen können. Vom Umfang her eine Herausforderung, dennoch unbedingt lesenswert! W.H.


Details

  • 2020 erschienen
  • Penguin Verlag
  • 979 Seiten ohne Anhang

 


Interview mit Obama

Klaus Kleber, ZDF, führte ein ausführliches Interview mit Obama. Es ist abrufbar unter:

 

https://www.youtube.com/watch?v=BlbLDtAIgFI

Sehr empfehlenswert!