Tipp-Spezial

Buchbesprechung

„Die Leben der Elena Silber“ von Alexander Osang 2019 erschienen im S. Fischer Verlag.
Aufmerksam auf dieses Buch wurde ich, weil es auf der Longlist  für den Deutschen Buchpreis 2019 nominiert war.


Zum Autor

Alexander Osang, geboren 1962 in Berlin, studierte Journalistik in Leipzig und arbeitete nach der Wende als Chefreporter der Berliner Zeitung.  Er schreibt heute für den ›Spiegel‹ aus Tel Aviv, davor lebte er in Berlin und acht Jahre lang in New York. Sein erster Roman „Die Nachrichten“ (2000)  wurde verfilmt und mit zahlreichen Preisen, darunter dem Grimme-Preis, ausgezeichnet.

Es handelt sich um eine Erzählung von fünf Generationen einer Familie angesiedelt zwischen Deutschland und Russland.

Zum Roman

Es handelt sich um eine Erzählung von fünf Generationen einer Familie angesiedelt zwischen Deutschland und Russland.

Mein Fazit

Ich kann dieses m.E. vortreffliche Buch bestens weiterempfehlen, es hat mich angesprochen, mir sehr gut gefallen! (W.H.)


Um den umfangreichen Stoff in den Griff zu bekommen, hat Osang die Handlung des Buches auf zwei Zeitebenen angesiedelt. Er pendelt von Stationen der Gegenwart zu aus dem Strom der vergangenen Zeit herausgegriffenen markanten Jahren – von 1905 über 1918 und die Mitte der ’30er Jahre bis zu den letzten Kriegs- und ersten Friedensjahren –, um am Ende des Romans schließlich das Ineinanderfließen von Vergangenheit und Gegenwart zu erleben. Was dabei unter dem Strich entsteht, ist das spannungsgeladene Panorama eines ganzen Jahrhunderts.

 

Osang erzählt Familiengeschichte als Weltgeschichte im Kleinen. Er begibt sich als (Enkel) Konstantin Stein auf Spurensuche. Zuerst in Archiven und alten Zeitungen, um etwas über den Zeitgeist, in dem seine Großeltern gelebt haben, zu erfahren. Er reist in die Kindheitswelt seiner Großmutter Jelena, nach Moskau auf der Suche nach verschollenen Verwandten und ins polnische Zary, das einstige Sorau, aus dem sein Großvater Robert Silber stammt. Er trifft zwischen Rhein, Spree, Bober, Newa, Moskwa, Oka und Wolga, in Deutschland, Polen und Russland, in Ludwigshafen im Westen und Nischni Nowgorod im Osten, auf andere Mitglieder der Familie. Aus den fragmentierten Erinnerungen dieser Anverwandten trägt Osang die Puzzleteile zusammen und sein und auch unser Bild dieser interessanten und so zerrissenen Familie nimmt Gestalt an, gewinnt Konturen.


Eines muss klar gesagt werden: es handelt sich nicht um eine Lektüre für den kleinen Lesehunger zwischendurch, immerhin hat das Buch über 600 Seiten. Man muss sich diesem Buch eingehend widmen, vor allem am Anfang, wenn die einzelnen Kapitel in den Jahrzehnten hin- und herwechseln. Zuweilen musste ich ein paar Seiten zurückblättern, um den Gesamtzusammenhang bzw. die Handlungen in den Lebensphasen der Jelena / Elena / Lena / Baba und ihrer Familie wirklich zu verstehen. Der angehängte Stammbaum hilft dann ungemein!